Die Jugendlichen sind Regisseure und Hauptdarsteller ihres eigenen Lebens. — Generation Selfie

Heute stöberte ich im Archiv: Meine Neugier blieb bei Multitasking und der virtuellen Mobilität im Alltag der Jugendlichen hängen. Eine Analyse einmal nicht aus Sicht von uns Medienverliebten, sondern vom Standpunkt der Jugend-Medienforscher. Wie denken und leben die 16- bis 19-Jährigen?

Dabei musste ich mir eingestehen, dass ich nun tatsächlich nicht mehr zur jugendlichen Generation gehöre – aber doch bin ich jung geblieben. Die jugendliche Lebenswelt ist verändert – dies durch den dynamischen Medien- und Technologiewandel. Es hinterlässt unübersehbare Spuren:

  • Konvergenz: «Zusammenwachsen» unterschiedlicher Medien, beispielsweise TV und Internet
  • Pluralisierung: Vervielfachung der Angebote und Funktionen
  • Verdichtung und Beschleunigung der Information

«Wenn du in der U-Bahn sitzt für eine zehnminütige Fahrt, holst du das Handy raus und schaust, was es Neues auf Facebook gibt. Und wenn dir langweilig ist, schaust du auf WhatsApp, anstatt einfach die Zeit zu genießen, die du frei hast.» So das Zitat eines Jugendlichen.
Identität neu kreieren – die Ego-Marke

Erwachsene nutzen das Internet kommunikations- und informationsorientiert; Jugendliche nutzen mediale und interaktive Angebote zudem «unterhaltungsorientiert» (Audio- und Videoangebote zum Gefühlsmanagement). Die Nutzung des Internets hat oft «soziale Motive» (Community-Angebote). Man will sich als Mitglied einer Szene, Clique etc. positionieren.

Die Jugendlichen möchten so ihre Identität verstärken oder sogar neu kreieren.

Sie manifestieren ihre Zugehörigkeit und suchen Anerkennung mittels Ego-Clips, Selfies, Musikkritiken etc. Es besteht ein hoher Druck zur Selbstthematisierung: Die Jugendlichen sind Regisseure und Hauptdarsteller ihres eigenen Lebens. Man muss im wörtlichen Sinn zeigen, wer man ist bzw. als wen man gesehen werden will. Beispielsweise eine möglichst lange Freundesliste signalisiert Popularität und ist Ressource von Anerkennung.
Digital ist not sexy any longer?

Der junge digitale Mainstream meint: Online Social Media sind für viele ein must-have, aber langsam werden sie «nervig“. Immer öfter heißt es:

Mittlerweile geht mein Trend eher gegen Facebook.

Wer sind die digitalen Aussteiger? – Typus: jugendkulturorientiert, weltoffen, autonom, höher gebildet und im Freizeitstil betont extrovertiert. Das digitale Ausmisten «digital suicide», um dann für einen exklusiven Kreis von Leuten kurz darauf wiederaufzuerstehen.

Ein Viertel der Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat schon einmal eine digitale Diät gemacht, das heisst vollständig auf Smartphones, Internet etc. verzichtet. Mehr als die Hälfte hält, die im Internet verbrachte Zeit für «verschwendete Zeit». 4 von 10 haben schon darüber nachgedacht, sich von den sozialen Netzwerken ein für alle Mal zu verabschieden.

Eine digitale Diät käme für mich nie in Frage. Die im Internet verbrachte Zeit, sehe ich vor allem dann als eine verschwendete Zeit, wenn man ziellos auf den sozialen Netzwerken rumstöbert. Ich denke, das Leben auf den sozialen Netzwerken können die  16- bis 19-Jährigen kaum meiden. Was sie aber können: Ihr Verhalten ändern. Ich bin gespannt, was die nahe Zukunft so bringt. ^diana

Diese Erkenntnisse stammen vom Institut für Jugendkulturforschung in Wien.