Wie aus einem Windstoss ein gefährlicher Sturm entsteht!

Das Bedrohliche an sogenannten Shitstorms ist ihre Unberechenbarkeit. Wenn solche Empörungswellen durchs Internet wiegen,  können sie in Kürze zu einem gewaltigen Tsunami heranwachsen. Bereits viele Unternehmen sind in einen Shitstorm geraten, also einen Sturm der Entrüstung in sozialen Netzwerken, wie Twitter und Facebook. Wir zeigen euch hiermit drei Stürme.

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1. Nestlé – der blutende Affenfinger

 

KitKat shitstorm-nestleEiner der bekanntesten Shitstorms der Umweltschutz-Organisation Greenpeace kritisiert die grosse Menge Palmöl in der süssen Schokoleckerei. Dabei würden die Lebensräume von Organ-Utans zerstört und gar deren Population gefährdet werden. Mittels Social Media Kampagne schreckten die Umweltschützer mit YouTube-Videos ab. Einem Bürolisten fliesst beim Essen eines Kit-Kat-Riegels das Blut aus dem Mund, weil er statt Schokolade einen Affenfinger isst. Die Videos machten schnell die Runde. Nestlé schlug daraufhin leider den falschen Weg ein; Sie versuchten die Videos zu verbieten und Fanseiten zu blockieren. Dies gab der Kampagne noch mehr Aufmerksamkeit und die Videos verbreiteten sich noch rasanter auf unterschiedlichen Plattformen. Unglücklicherweise hat es einen Orang-Utan gebraucht, um Nestlé darauf aufmerksam zu machen, wie wesentlich die Bedeutung von Social Media für ein global tätiges Unternehmen heutzutage ist. Patrice Bula, Marketingchef und Mitglied der Konzernleitung von Nestlé sagt dazu «Social Media hat bei uns eine völlig neue strategische Bedeutung erhalten». Heute koorperiert Nestlé fortlaufend mit Facebook und Google – und kopiert Strategien, wie jene von Greenpeace.

 
 

2. Migros – Weihnachtsguetzli im Herbst

 

 

Alles begann mit einem Eintrag einer besorgten Kundin und endete in einem vermeintlichen Internetsturm.migros-shistorm«Liebe Migros. Bitte ­beachtet doch, dass die Jahreszeit nach Sommer der Herbst und nicht Weihnachten ist! Ich weiss, das frühzeitige Erscheinen von Weihnachtsguetzli & Co wird jedes Mal mit «Das wollen die ­Kunden so» begründet. Dem möchte ich entgegen­setzen: Ich – und jeder andere, den ich bisher gefragt habe – möchte das nicht!», schrieb sie auf die Facebook-Seite des Detailhändlers. Innert zwei Tagen wurde dieser persönliche Kommentar mehr als 20 000 mit «Gefällt mir» markiert und über 1500 Mal kommentiert. Und so ging es weiter!Der Detailhändler setze den drohenden Shitstorm gekonnt Schach matt, indem sie Reue zeigten:

«Wir sind uns wohl alle einig: Die Weihnachtszeit beginnt eigentlich mit dem Öffnen des ersten der 24 Kalender­tür­chen. Wir können also gut verstehen, dass der Verkauf von Weihnachtsgebäck manchen zu früh kommt. In diesem Sinne spenden wir für jeden Like bis 18 Uhr, für jede Kundenrückmeldung, die wir bis jetzt erhalten ­haben, 100 Gramm Guetzli an Kinderheime in der ganzen Schweiz – insgesamt also 13 696 Mal 100 Gramm.»

Niemand kann wohl mehr etwas gegen Spenden an Kinderheime sagen. Hut ab – tolle Aktion!
 
 

3. Veet – Sexistische Werbung?

 

Haare unter den Armen, an den Beinen – und ab und zu auf den Zähnen. Die Damen der Welt gingen auf die Barrikaden und riefen im Netz zum Boykott der Kosmetikmarke Veet auf.«Riskiere es nicht, wie ein Kerl zu sein» – der Slogan von Veet sorgt bei amerikanischen Frauen für Empörung.

 

Ob es den Frauen an Humor gefehlt oder sich die Kosmetikfirma etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt hat, bleibt offen. «Ich bin stoppelig, ich weiss. Ich habe mich gestern rasiert», flötet das Dickerchen mit einer Frauenstimme – während sich der Freund angewidert abwendet. Lustig findet Veet. Aber sie haben die Rechnung ohne ihre Konsumentinnen gemacht. Diese teilen unter dem Hashtag «#notbuyingit» ganz schön aus.

«Ich habe all meine Veet-Produkte in den Müll geworfen. Selbst ich habe meine Grenzen» oder «Hallo Veet, ich hoffe auf eine Creme, die euer Schamgefühl, Sexismus, sowie eure Profitgier und Homophobie beseitigt» lauten beispielsweise zwei der unzähligen Twitter-Kommentare.

Auf der Facebook-Seite des Unternehmens hat die Marketingabteilung mittlerweile ebenfalls reagiert: «Wir wollten euch nur sagen, wir haben es kapiert – wir sind auch Frauen», heisst es da. Man überdenke die Kampagne und entferne die Clips, denn man habe zu keinem Zeitpunkt irgendjemanden verletzen wollen.

 

 
 

Fazit

 
Nicht jedes laue Lüftchen wird zu einem gefährlichen Sturm. Wie Wind zum Wetter gehört, gehören auch negative Meinungen zu Social Media. Kritische Kommentare auf Facebook, Twitter & Co. sind Alltag. Panik ist hier fehl am Platz. Die Unberechenbarkeit liegt in der Dynamik der Internet-Bewegung. Diese ist für alle eine grosse Herausforderung und wird es bleiben. Shitstorms zeigen uns das die Viralität auf Facebook und Twitter tadellos funktioniert und nicht nur für Stürme, sondern auch Erfolgswellen genutzt werden können. Wichtig dabei ist, sich ständig der Macht der sozialen Netzwerke bewusst zu sein. Und bei einem Shitstorm muss dementsprechend reagiert werden: Auch sollen mal Fehler eingestehen werden und vor allem Transparent bleiben ist wichtig.